„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“ – Interview mit Janek Schmidkunz

Aus der Jugend des TuS Neukölln zum Basketballprofi – der 24jährige Janek Schmidkunz hat es geschafft. Nach vier erfolgreichen Jahren am College in den USA hat er für die kommende Saison beim Zweitligisten MLP Academics Heidelberg unterschrieben. Kurz vor seiner Abreise nach Heidelberg haben wir mit Janek über Vergangenheit, Zukunft und eine mögliche Rückkehr zum TuS Neukölln gesprochen.

Janek, du bist gerade vor wenigen Wochen aus den USA zurückgekehrt. In den vergangenen vier Jahren hast du in Springfield am American International College studiert und Basketball gespielt. Welche Erfahrungen hast du dort sammeln können?

Ich fange mal damit an, was mir nicht gefallen hat: Wir hätten als Basketball-Team erfolgreicher sein können. Wir hatten viel mehr Potential als wir letztlich gezeigt haben. Insgesamt war es natürlich eine unglaubliche Erfahrung: In einem anderen Land zu leben, dort zu studieren und Basketball zu spielen – großartig. Um so mehr, weil Basketball in den USA eine viel größere Bedeutung hat und dann auch noch in der Stadt Springfield, in der Basketball erfunden wurde. So eine Erfahrung macht nicht jeder.

Als Spieler bin ich dort ins kalte Wasser geworfen worden. Ich wusste vorher einfach nicht, wie es werden würde. Ich hatte keine Vorstellung über die Rolle, die ich dort spielen sollte. Du musst dich dort selbst etablieren, es irgendwie schaffen. Für mich war es eine wichtige Erfahrung, das es ging, dass ich es schließlich geschafft habe. Ich konnte mich in meinem Team etablieren und habe vom Coach mehr und mehr Vertrauen bekommen, auch eine Führungsrolle zu übernehmen. Er hat darauf vertraut, dass ich ein Leader sein kann. Ich konnte mich Jahr für Jahr weiterentwickeln und ein besserer Spieler werden.

Natürlich gab es in Springfield nicht nur Basketball für mich. Ich habe einen Abschluss in BWL gemacht und viele neue Freunde gewonnen!

Kurz vor deiner Abreise hast du von der Uni den Alumni-Award bekommen – was ist das für eine Auszeichnung?

Die Uni vergibt den Alumni-Award an Absolventen, die sich sportlich und akademisch hervorgetan haben. Ich hatte in meinem Jahrgang den besten Notenschnitt und war eben parallel noch in meiner Sportart erfolgreich. Ich durfte einige Auszeichnungen mit nach Hause nehmen, was natürlich sehr schön ist. Zu meiner Sammlung gehört noch der Bob-Cousy-Award für Führungsqualitäten auf dem Basketballfeld und jenseits des Basketballfelds. Außerdem habe ich einen neuen Uni-Rekord in getroffenen 3-Punkt-Würfen aufgestellt.

Seit Ende Mai bist du wieder in Deutschland – was ist seitdem passiert?

Ich musste aus gesundheitlichen Gründen eine kurze Pause einlegen, dann habe ich angegriffen: jeden Tag Fitnesstraining und Basketballtraining. Im April hatte ich mir einen Agenten gesucht, Gerrit Kersten-Thiele von Scorers 1st Sportmanagement, um Unterstützung bei der Vereinssuche in Deutschland zu bekommen. Das ist der Weg, den man gehen muss, wenn man sich als Spieler in hierzulande noch keinen Namen gemacht hat. Dann bin ich bei verschiedenen Vereinen zu Tryouts (Probetrainings) gegangen. In Heidelberg habe ich dabei letztlich den besten Eindruck hinterlassen.

Es war wirklich ein nervenaufreibender Sommer, weil ich nicht wusste, wo ich landen würde. Ich wollte endlich Klarschiff haben und sicher sein, dass ich irgendwo spielen werde. Das hat ein bisschen gedauert. Schließlich habe ich mich Ende Juli mit Heidelberg geeinigt.

Warst du auch heute Abend in der Halle?

Ja klar, ich war bis eben noch in der Halle. Jetzt schalte ich aber erst einmal einen Gang zurück. Ich war auch noch einmal kurz an der Ostsee um ein bisschen abzuschalten. Alle anderen haben sich natürlich schon vor mir Urlaub gegönnt diesen Sommer, aber das konnte ich nicht. Nichtsdestotrotz, ich hab im Endeffekt schon einen guten Sommer gehabt – eben ereignisreich und mit viel um den Ohren.

Wie geht’s jetzt weiter?

Am 10. August ziehe ich nach Heidelberg und schon am 15. August fangen wir offiziell mit der Vorbereitung an. Wir werden dann viel laufen gehen und auch Testspiele machen, unter anderem gegen Bundesliga-Mannschaften. Wir werden ein paar Turniere spielen und dann offiziell geht’s am 29. September los mit dem ersten Ligaspiel!

Wie gut kennst du dein neues Team in Heidelberg?

Ich kenn das Team noch nicht sehr gut, aber das liegt auch daran, dass das Team schon wieder recht neu zusammengestellt ist. Es gibt aber einen Spieler, der auch letztes Jahr dort eine tragende Rolle gespielt hat, und das ist gleichzeitig einer meiner besten Kumpels, Nico Adamczak, der in Berlin lange in der Alba-Jugend gespielt hat. Mit ihm bin ich sogar schon zur Schule gegangen bin. Ich werde also mit einem richtig guten Kumpel von mir zusammen spielen, den ich kenne seit ich zwölf Jahre alt bin! Die anderen Spieler sind mehr oder weniger neu und das Team ist auch noch nicht komplett. Eingeplant bin ich jetzt erst einmal als Unterstützung von der Bank für die Position 1 und 2, als Spielmacher und als Flügel.

Hast du persönliche Ziele für die Saison und wie sind die Ziele für die Mannschaft?

Ich kenne das offizielle Teamziel noch nicht, aber die Playoffs wollen wir sicher erreichen, ohne Frage Ich denke auch, dass wir oben mitspielen könnten, denn wir haben einige starke Verpflichtungen. Besonders unter dem Korb haben wir zwei richtig starke Centerspieler. Ich persönlich möchte in diesem Jahr einfach alles rausholen was geht, denn es ist für mich ein entscheidendes, richtungsweisendes Jahr. Diese Saison wird zeigen, wo es in den nächsten Jahren für mich hingehen könnte. Mein ultimatives Ziel ist natürlich, in der ersten Bundesliga zu spielen.

Was kannst du den Jugendspielern des TuS Neukölln mit auf den Weg geben?

Ich bin einer von denen, die niemals die Hoffnung aufgegeben haben. Ich habe nicht immer in den größten und bekanntesten Vereinen gespielt und bin auch nicht in das größte Nachwuchsprogramm gekommen. Erst nach Abschluss meiner Jugendzeit mit 19 Jahren bin ich in das Nachwuchsprogramm von Alba gelangt, hab dann ein Jahr unter Henrik Rödl in der Regionalliga gespielt. Habt keine Angst vor Herausforderungen, wie es bei mir der Schritt nach Amerika war. Es war vielleicht nicht die größte und beste Uni, aber ich habe mich getraut, die Herausforderung anzunehmen, das ist eigentlich das wichtigste. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Dann ist ganz wichtig, nicht nur Basketball im Kopf haben. Ich hatte zwar immer ein klares Ziel im Basketball, habe aber auch die anderen Dinge im Leben nicht vergessen. Es gibt auch jenseits des Basketballs viele Herausforderungen. Basketball hat mir alle Türen geöffnet, aber ich habe dadurch auch andere Erfahrungen gemacht.

NBA-Spieler LeBron James ist in diesem Jahr aus Miami zurück in die Heimat gewechselt. Wann kommst du zurück zum TuS Neukölln? Wie oft müssen die 1. Herren aufsteigen, damit du wieder für den TuS spielst?

Erstmal möchte ich sagen, dass ich das schon vorher geahnt habe, dass LeBron zurück geht! Ich habe mit meinen Kumpels gewettet, dass das passiert.

Wie oft ihr noch aufsteigen müsst? Ja… eigentlich reicht es doch, wenn ihr die Klasse haltet, oder?

Okay, wir bleiben in der Oberliga und versuchen dich im nächsten Sommer zu verpflichten…

Es ist die höchste Berliner Spielklasse, besser geht’s ja kaum noch!

Spaß beiseite: Ich bin ein großer Fan davon, wenn ich es mal wirklich kann, zurückzugeben an die, die mir viel geholfen haben im Leben. Da zählt natürlich der TuS ganz oben mit dazu. Ich sehe das wie eine erweiterte Familie. Im Sommer kreuzen sich ja schon immer unsere Wege in der ASO, aber ich kann mir auch vorstellen, dass ich irgendwann irgendwann, wenn’s dann nicht mehr so ernst ist, mir das TuS-Neukölln-Trikot noch einmal anziehe.

Lieber Janek, der gesamte TuS drückt dir aus Berlin die Daumen für einen guten Start in die Saison in Heidelberg und ein erfolgreiches Jahr!

(jk)

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