Ich habe Johanna (Jojo) von den 1. Damen gefragt, ob sie Lust auf ein Interview hätte, denn ich finde, ihr ehrenamtliches Engagement ist mehr als erzählenswert. Fast 3 Jahre ist sie beim TuS Neukölln und mittlerweile so wertvoll für den laufenden Betrieb der Abteilung Basketball des Vereins, aber lest selbst:
Wie bist du zum Basketball gekommen und was hat dich dazu motiviert, beim TuS Neukölln sowie bei den 1. Damen in der 1. Regio zu spielen?
Ich habe mit 6 Jahren angefangen mit Basketball. Meine Eltern waren ehemalige Spieler:innen und Coaches beim 1. FC Baunach in der Nähe von Bamberg und ich war als Kind eigentlich jedes Wochenende mit meinen Geschwistern in irgendwelchen Hallen unterwegs. Es war klar, dass ich irgendwann auch selbst spielen wollte. 2022 habe ich mich nach einem neuen Verein umgesehen. Ich wollte in der Regio spielen und bin durch einen Social Media Post auf die Tryouts des Frauen-Teams aufmerksam geworden. Ich kannte auch schon 2-3 Spielerinnen und habe nur gutes über das Team gehört.
Was sind die größten Herausforderungen, denen du als Spielerin bei uns im Verein begegnest?
Ich glaube, die Herausforderungen haben weniger mit dem Verein zu tun, als mit den Strukturen des Frauenbasketballs in Deutschland. Wir spielen in der dritthöchsten Liga, reisen für unsere Spiele durch ganz Norddeutschland, werden aber trotzdem als Amateur:innen gelabelt. Wenn man die Konditionen z.B. mit dem Männerbasketball oder gar dem Fussball vergleicht, dann liegen da schon Welten dazwischen.
Welche Erfolge oder besonderen Momente hast du in deiner Karriere als Spielerin erlebt?
Ich habe einmal mit Bamberg und einmal mit Göttingen den Aufstieg in die 1. Liga erreicht. Besondere Momente waren aber nicht irgendwelche Meisterschaften, sondern eher zwischenmenschliche Dinge. Ich habe über die Zeit einfach immer unfassbar tolle Menschen kennengelernt und ich bin unglaublich froh über die Freundinnenschaften, die entstanden sind.
Was hat dich dazu bewogen, Schiedsrichterin zu werden, und wie lange bist du schon aktiv?
Ich habe meine Schiri-Lizenz vor ca. 20 Jahren gemacht, einfach um mir als Teenie etwas Geld dazu zu verdienen. Außerdem fand ich den Perspektiv-Wechsel ganz spannend.
Wie erlebst du die Rolle der Schiedsrichterin im Vergleich zur Rolle der Spielerin?
Als Schiedsrichterin bin ich dafür da, die Rahmenbedingungen für ein Punktspiel zu schaffen. Ohne Schiedsrichter:innen können die Spiele nicht stattfinden, gleichzeitig geht es aber nicht um mich. Ich finde, die besten Schiris sind die, an die man sich nach dem Spiel nicht mehr erinnern kann, weil sie das Spiel unauffällig begleiten und der Fokus auf dem Spielfluss liegt. Meine Rolle als Spielerin ist natürlich eine andere. Ich möchte immer gewinnen, Teambasketball spielen und einen Flow kreieren, der allen Spaß macht. Diese Rolle ist deutlich aktiver, lauter und energiegeladener.
Was sind die größten Herausforderungen, die du als Schiedsrichterin meistern musst?
Die Rolle als weibliche Schiedsrichterin ist vor allem in den unteren männlichen Ligen keine einfache. Da sind mir schon sehr kuriose Dinge passiert, aber ich sehe das als eine Art Resilienz-Training 😉
Was sind deine Ziele als Trainerin für das junge Mädchenteam?
An oberster Stelle steht immer der Spaß und die Freude am Basketball. Außerdem möchte ich den Spielerinnen wichtige Basics wie Ballhandling, Korbleger, Wurf und Spielverständnis beibringen und erweitern. Ich fände es sehr schön, wenn die meisten der Spielerinnen auch in 5-10 Jahren noch Basketball spielen und vielleicht einmal selbst Teil des Frauenteams von TuS sind.
Wie gestaltest du das Training, um die Mädchen sowohl sportlich als auch persönlich zu fördern?
Der Beginn des Trainings startet meist spielerisch und mit technischen Elementen. Wir gehen dann schnell in 2-2, 3-3 und 5-5 Situationen über, denn am Spielnahen haben die Spielerinnen am meisten Spaß und lernen wichtige Skills wie Entscheidungsfindung und Zusammenspiel.
Welche Werte möchtest du den jungen Spielerinnen vermitteln?
Ich möchte den Spielerinnen eine grundsätzliche Offenheit vermitteln und dass alle Personen im Team – unabhängig vom Leistungsstand oder anderen Faktoren – akzeptiert und integriert werden. Daran knüpfen sich Werte wie Teamplay und Fairness auf dem Spielfeld an.
Wie schaffst du es, dein Engagement im Basketball mit anderen Verpflichtungen (z.B. Beruf) zu vereinbaren?
Mein persönliches Umfeld kennt und versteht meine Leidenschaft und respektiert, dass ich viel von meiner Zeit für den Basketball priorisiere. Auch auf der Arbeit habe ich das kommuniziert und meine Kolleg:innen wissen, dass ich Dienstag und Donnerstag schon früher zum Training muss. Diese Räume nehme ich mir. Nichtsdestotrotz sind einige private Dinge wichtiger als Basketball.
Was bedeutet Basketball für dich persönlich?
Basketball bringt mir ein unglaubliches Glücksgefühl. Ich liebe es, mit Menschen, die ich mag und die mir wichtige sind, auf dem Feld zu stehen und gemeinsam mit dem Team in einen Flow zu kommen, gemeinsam Lösungsstrategien zu finden und umzusetzen. Und im besten Fall zu gewinnen.
Hast du Ratschläge für junge Spielerinnen, die in den Basketballsport einsteigen möchten?
Vor allem in Berlin gibt es unglaublich viele Angebote auf unterschiedlichen Leistungsebenen. Es erfordert ein wenig Recherche, um herauszufinden, welcher Ort und welche Angebote die richtigen sind, aber eigentlich ist für jede etwas dabei. Wichtig ist, dass du dich grundsätzlich in einem Umfeld wohl fühlst. Für den Start ist Spielpraxis extrem wichtig, um Selbstvertrauen zu sammeln. Im Sommer auf dem Freiplatz zocken, viele (vor allem Frauen-)Spiele schauen und wissbegierdig bleiben.
Gibt es jemanden, der dich in deiner Basketballkarriere besonders inspiriert hat?
Mein großes Vorbild war und ist Sue Bird. Ihre uneigennützige Spielweise hat mich sehr inspiriert. Für sie stand der Sieg immer an erster Stelle und sie war einfach eine „Clutch-Spielerin“, ob als Pass-Spielerin oder mit eigenem Scoring – eine echte Leadern.
Was sind deine langfristigen Ziele im Basketball, sowohl als Spielerin als auch als Trainerin?
Ich möchte dem Sport sehr lange mit Freude verbunden bleiben. Mich inspiriert es, wenn ich sehe, dass einige ehemalige Bundesligaspielerinnen mit 40, 50 immer noch bei den Seniorinnenmeisterschaften mitzocken. Wäre schön, wenn ich das auch schaffe.
Was sind deine Pläne für das sportliche 2025?
Für das Frauen- und das U14 Team sind die Ziele identisch: Spielfreude, Teamgeist und Entwicklung. Wenn wir nach Saisonende zurückblicken und sehen, wie wir uns als Team, aber auch individuell weiterentwickelt haben, haben wir viel erreicht.
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Wir danken dir sehr für deinen Einsatz im Verein und freuen uns auf weitere, wunderbare Jahre der Zusammenarbeit.
#tusfight